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Rentenfalle schnappt in defensiven Mischfonds zu

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Angesichts der seit Jahresanfang in den als „defensiv“ oder auch „konservativ“ titulierten Mischfonds entstandenen Verluste reiben sich viele Anleger ungläubig die Augen.

DWS Defensiv -5,3%, Phaidros Conservative -8%, Flossbach von Storch Multi Asset Defensiv -5,3%, Starcapital Multi Income (ex Winbonds+) sogar -11%. Vergleichsweise gut hielten sich da noch Sauren Global Defensiv mit lediglich -1,2%, Flossbach von Storch Der erste Schritt mit -2,8% und der Ethna Defensiv mit -3%. Im Ergebnis beklagen viele defensive Mischfonds damit ähnliche Verluste, wie die Geschwister in ihren Produktfamilien mit höheren Aktienquoten. Nicht selten traf es sie sogar noch härter.

Als Achillesferse entpuppt sich in diesem Zusammenhang ausgerechnet der ursprüngliche Stabilitätsanker der Portfolios in Form der Anleihen. Sie haben im Rentencrash der letzten Wochen erhebliche Kursverluste hinnehmen müssen, vor denen weder die Bonität oder die Art der Emittenten noch kürzere Laufzeiten schützen konnten. Angesichts der rasant steigenden Inflation weltweit preisen die Marktteilnehmer auch schon kurzfristig massive Reaktionen der Notenbanken ein.

Und als wenn diese Meldungen für entsprechende Anteilinhaber nicht schon bedauerlich genug wären, müssen sie sich obendrein darauf einstellen, dass eine Kompensation dieser Verluste auf der Anleiheseite so schnell nicht zu erwarten steht. Handelt es sich bei dem gesehen Effekt doch nicht um einen kurzfristigen, nur spezielle Segmente und Strukturen betreffenden Effekt, wie wir ihn beispielsweise während der Finanzkrise beobachten konnten, sondern um eine nachhaltige Trendwende am Rentenmarkt angesichts steigender Zinsen. Die Rentenfalle ist zugeschnappt. Ausgewogene oder dynamische Mischfonds mit größeren Aktienengagements könnten sich vor diesem Hintergrund in der näheren Zukunft unter Umständen nicht nur schneller erholen, sie bieten mit Blick auf die Dividendenerträge oftmals auch die attraktiveren und planbareren laufenden Erträge.

Wir haben an dieser Stelle mehrfach darauf hingewiesen, dass sich eine Ermittlung der Chance-Risiko-Profile von Mischfonds, die mehr oder weniger ausschließlich über die Höhe der Aktienquoten erfolgt, bei einer Trendwende an den Rentenmärkten als zu kurz gedacht erweisen und rächen könnte. Leidtragende sind nun vor allem Investoren, die höhere Aktienquoten scheuten oder wie beispielsweise Stiftungen nicht eingehen durften, sowie jene Anleger, die der Stabilität von defensiven Mischfonds auf der Flucht vor Verwahrgebühren auch kurzfristig trauten.

Diese Entwicklung muss der Fondsidee als solcher nicht unbedingt schaden. Sie wird den Fokus der Berater, Vertriebe und Anleger aber noch viel stärker auf aktienlastige Produkte lenken als bereits zuvor und hier inzwischen vor allem auf passiv gemanagte Lösungen. - Was von daher nicht überraschen dürfte, als die Mischung von Aktien und Renten und das aktive Timing dieser Anlageklassen immer wieder als eine der Renditequellen, um nicht zu sagen Stärken und Erfolgsrezepte aktiven Managements dargestellt wurde.

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