Artikel

Mischfonds-Reflex

Diese Episode auf Social-Media Plattformen teilen:
Die wieder erstarkte Nachfrage nach Mischfonds in den letzten Monaten darf als reflexartige Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen an den Kapitalmärkten angesehen werden und zeugt von der zunehmenden Verunsicherung und Ratlosigkeit vieler Anleger und Finanzvertriebe.

Hatten während der liquiditätsgetriebenen Hausse der letzten Jahre vor allem reinrassige und nicht selten hochgradig fokussierte Aktieninvestments das Bild der Absatzstatistiken geprägt, zeugen diese schon seit dem vergangenen Spätsommer wieder von einer wachsenden Nachfrage nach aktiv gemanagten Multi-Asset- und alternativen Investmentstrategien. Die Kombination der erwarteten Zinswende und geopolitischer Spannungen lässt viele Marktteilnehmer unter dem Eindruck steigender Volatilität und erfolgter Trendwechsel ihr zwischenzeitlich entwickeltes Vertrauen in die eigene Marktexpertise verlieren. Im Umkehrschluss übertragen sie die Selektion von Einzeltiteln und Sektoren, bis hin zur Asset Allocation, wieder professionellen Verwaltern.

Von einem Mischfonds-Reflex (Reflex: unwillkürliche, rasche und stets gleichartige Reaktion eines Organismus auf einen bestimmten Reiz) darf von daher gesprochen werden, als sich das beschriebene prozyklische Verhaltensmuster in den letzten beiden Jahrzehnten in der Fondsbranche öfter beobachten ließ. Dieses Mal könnte es umso stärker ausfallen, als die Alternativen in Form von Rentenfonds und Kassenhaltungen angesichts der drohenden Zinswende und anhaltend hoher Inflation besonders unattraktiv erscheinen.

Der Mischfonds-Reflex ist mit Blick auf das Nervenkostüm der Anleger und das Verantwortungsbewusstsein der Finanzdienstleister eher menschlich als verwerflich, vielleicht sogar umsichtig zu nennen. Aber nur dann, wenn die aktuelle Einschüchterung hohen Gewichtungen der renditestarken Assetklasse „Aktien“ bei langfristigen Anlagehorizonten und insbesondere auch bei Sparplänen nicht im Wege steht.

Zurück