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Kein Rohstoffmonopol Russlands

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Zweifellos größere Auswirkungen hat der Konflikt auf den Rohstoff-Weltmärkten. Russland ist ein großer Exporteur von fossilen Energieträgern, vor allem Erdgas, aber auch Erdöl. Zu den russischen Exportgütern von Bedeutung zählen als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzte Kali-Salze und bestimmte Metalle.

Auch bei diesen Rohstoffen reagieren die Weltmärkte sofort mit einem Preisanstieg. Inwieweit Russland die Exporte von Erdgas, Erdöl, Kali und anderen Bodenschätzen fortsetzen kann, ist fraglich. Zum einen könnte Russland selbst damit drohen, diese Ausfuhren zu stoppen, um westliche Zugeständnisse zu erpressen; zum anderen könnte man im Westen ungeachtet des Bedarfs die Geschäfte mit Russland im Rahmen von Sanktionen beenden.

Die Behauptung, die vereinzelt zu hören ist, Russland besitze ein Monopol bei bestimmten Rohstoffen, sodass die Weltwirtschaft zwingend auf Russland als Lieferant angewiesen sei, ist nicht richtig. Die Bedeutung als Lieferant fossiler Energieträger mag in Deutschland aufgrund seiner verfehlten Politik hoch sein, für die Weltwirtschaft insgesamt ist sie es nicht: Nur 13 Prozent der Welterdölproduktion entfällt auf Russland. Sogar beim Erdgas sind es nur 17 Prozent. In beiden Fällen sind zudem die USA der jeweils weltgrößte Produzent.

Das als Dünger für die Landwirtschaft wichtige Kali wird vor allem in Weißrussland abgebaut und bedeutende Vorkommen gibt es auch in Russland und der Ukraine. Zu behaupten, hier gäbe es ein Monopol, ist aber denkbar falsch, weil Kalisalze geologisch an vielen Orten der Welt vorkommen und auch abgebaut werden. Ein großer Kali-Lieferant für die Welt ist Kanada. Die USA und China verfügen über eigene Vorkommen. Allein ein Blick auf Deutschland zeigt viele Vorkommen, von denen etliche sogar bislang schon wirtschaftlich betrieben werden: Bekannt dürfte sein, dass vor allem im Raum Gorleben-Braunschweig-Hannover in Niedersachsen eine deutsche Kali-Produktion vom Konzern K+S betrieben wird. Vorkommen und kleinere Produktionsstätten gibt es aber auch in der Altmark, der Gegend Griesen und im Raum Magdeburg-Halle. Gegebenenfalls könnte man früher stillgelegte Produktionen in Südbaden, im Solling, Südharz und in der Gegend Werra-Fulda wieder hochfahren.

Auch für Uran gilt: Zwar gehört das Unternehmen Kazatomprom aus Kasachstan zu den großen Anbietern auf dem Weltmarkt. Es gibt aber sehr viele Vorkommen des schweren Metalls, bekanntlich auch in Deutschland.

Bei einigen seltenen Metallen sei Russland als Lieferant unverzichtbar, war zu hören. Das mag man vor allem in Bezug auf Palladium und Titan so empfinden, weil Russland bei diesen Metallen als großer Lieferant auf dem Weltmarkt auftrat. Eine Überprüfung der Zahlen zeigt aber: Sogar beim Palladium wird mehr als die Hälfte schon jetzt außerhalb Russlands produziert. Der russische Anteil an der Weltproduktion liegt bei rund 44 Prozent. Bei Titan sind es gut 30 Prozent. Die beiden großen westlichen Flugzeugbauer Airbus und Boeing hatten sich schon vor der Krise nicht vom russischen Hersteller VSMPO-Avisma abhängig gemacht. Auch bei anderen Metallen zeigen die Fakten, dass Russland weit von einem Rohstoffmonopol entfernt ist: Der Anteil an der Weltproduktion lag zuletzt bei Platin bei rund 13 Prozent, bei Nickel bei ungefähr 10 Prozent und bei Aluminium bei 7 Prozent.

Fazit: Es gibt alle Rohstoffe, mit denen Russland bislang die Weltmärkte versorgte, auch außerhalb Russlands und seiner Vasallenstaaten. Bei einem Ausfall der russischen Produktion wird man diese Vorkommen verstärkt erschließen müssen. Aber es gibt bereits für alle Rohstoffe in Betrieb befindliche Produktionsstätten in westlichen Ländern. Auch wenn die Preise bei vielen Rohstoffen schmerzhaft steigen, ein russisches Monopol gibt es nicht.

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