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Alles eine Frage der Perspektive?

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Das sind schon bittere Pillen, die ehemaligen Friedensmaschierern und Atomkraftgegnern unter den Befürwortern nachhaltiger Investments in diesen Tagen rund um die Ausgestaltung der Taxonomie verabreicht werden.

Erst prescht die EU-Kommission vor und will Gas- und Atomkraftwerken nachhaltigen Dispens erteilen. Andernfalls sieht man sich notwendiger Brückentechnologien beraubt und in der Folge auch die selbst gesteckten Klimaziele in Gefahr.

Und schon kurze Zeit später bittet auch noch die Rüstungslobby in Sorge um ihre Finanzierungsquellen um wohlwollende Berücksichtigung. Verkörpert das Abschreckungspotenzial ihrer Produkte nach eigenem Selbstverständnis doch den eigentlichen Garanten sozialer Sicherheit.

Die genannten Vorstöße sind mit Blick auf die Historie nachhaltiger Investments besonders plakative Beispiele und stehen doch nur stellvertretend für viele andere Detailfragen, denen nachhaltige Investoren täglich gegenüberstehen: Darf man Volkswirtschaften von Despoten noch unterstützen? Ist das chinesische Anlageuniversum angesichts der kontinuierlichen Menschenrechtsverstöße tabu? Sind Ölkonzerne, die inzwischen zu den größten Eignern von Offshore Windparks aufgestiegen sind, im Umkehrschluss jetzt wieder investierbar?

Egal wie absurd diese Diskussionen und Kämpfe um die Deutungshoheit wahrer Nachhaltigkeit ESG-Freunden auch erscheinen mögen, die Branche muss lernen, derartigen Disput auszuhalten. Führt er uns doch zwei Dinge eindrucksvoll vor Augen. Erstens:  Der Steuerungsmechanismus nachhaltiger Investitionsfilter zeigt Wirkung, sonst würden wir über diese Aspekte überhaupt nicht sprechen. Und zweitens: Es gibt nicht die eine wahre Ethik geschweige denn Nachhaltigkeit, sondern lediglich verschiedene Interpretationen und aus ihnen abgeleitete Strategien und Produkte, die sich den Investoren alternativ andienen.

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