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Keine Konsensmeinung

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Zu Jahresbeginn haben Marktprognosen traditionell Hochkonjunktur. Und meist bildet sich im Kreise der Auguren dabei eine mehr oder weniger deutliche Konsensmeinung heraus, die durch Interpretation der gleichen bekannten Daten und unter der Annahme kontinuierlicher Entwicklungen zustande kommt. Dieses Jahr ist das etwas anders.

Denn 2022 erweist sich im Nachhinein betrachtet als wirklich besonderes Börsenjahr, das von hoher Inflation und massiven Zinserhöhungen geprägt war, in deren Folge praktisch alle Assetklassen gleichzeitig unter Druck gerieten und es einen historischen Crash am Rentenmarkt zu verkraften galt. Stellt das vergangene Jahr im Sinne der Mean-Reversion also eine Ausnahme dar, der eine Fortsetzung früherer Trends nach Unterbrechung folgt oder den Beginn einer neuen Ära, die nun fortgeschrieben wird?

Die Bandbreite der Konjunktureinschätzungen reicht von einer „ausfallenden Rezession“, über ein „Rezessiönchen“ bis hin zu einem „Abschwung, der es in sich hat“. Bei den Einen ist die hohe (Kern-)Inflation schon wieder auf dem Rückzug und verschafft den Notenbanken den Spielraum, die Zinsen nur noch mäßig zu erhöhen oder sogar schon wieder zu senken. Bei den Anderen ist sie gekommen, um zu bleiben und werden die Zinsen weiter steigen müssen, um den Job zu erledigen.

In der Konsequenz variieren auch die Schlussfolgerungen und Empfehlungen. Die Einen fühlen sich vom guten Auftakt an den Märkten bestätigt und sehen einem schlechten Börsenjahr ein gutes folgen. Die Anderen trauen dem sprichwörtlichen dünnen Eis nicht, erwarten noch schwere Turbulenzen in den kommenden Monaten und mahnen zur Vorsicht.

Wer sich keinem der Lager gedanklich anschließen will, schützt sich und sein Portfolio vermutlich am besten mit breiter Diversifikation und erinnert sich dabei der Tatsache, dass frühere Konsensmeinungen auch oft genug am Ziel vorbeiführten.

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