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„GlobAllocation“: Weltkonjunktur und Börsenumfeld

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Für Aufmerksamkeit sorgte die Weltbank mit einer deutlich pessimistischeren Prognose für die Weltwirtschaft in diesem Jahr. Sie kürzte ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum auf +1,7 Prozent. Noch im Sommer 2022 lautete die Prognose +3,0 Prozent. Dies wäre abgesehen von den Rezessionsjahren 2009 und 2020 der niedrigste Wert seit fast drei Jahrzehnten.

Die Experten sprachen von einer fragilen Situation. Jeder unerwartete Schock könne zu einer globalen Rezession führen. Als Gefahren nannte die Weltbank ausdrücklich die Inflation, die höher ausfällt als gedacht, unerwartete Zinserhöhungen, neue geopolitische Spannungen und eine Rückkehr der Corona-Pandemie. Für die USA prognostiziert die Weltbank ein geringes Wachstum von +0,5 Prozent, für die Eurozone gar wegen der Energiekrise ein Null-Wachstum. Die von Drescher & Cie befragten Volkswirte und Experten sind in ihren Basisszenarien sogar noch etwas pessimistischer: Demnach könnten die USA im Jahr 2023 einen realen Rückgang ihres Sozialproduktes bis zu einem halben Prozent erleben, die Euro-Zone einen Rückgang von bis zu 0,9 Prozent.

Die Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für 2023 wurden erst auf +2,66 Prozent revidiert (von +3,5 Prozent). Diese Erwartung hatten wir im September an dieser Stelle als „zu optimistisch“ eingestuft. Schon damals signalisierten die Einkaufsmanagerindizes für alle wichtigen Volkswirtschaften einen deutlichen Abschwung. Mehrheitlich lagen sie da noch in einer vergleichsweise engen Bandbreite um die 50er Marke, genau jenen Wert, der eine wachsende Wirtschaft (Werte über 50) von einer schrumpfenden Wirtschaft trennt (Wert unter 50). Der globale Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist seitdem von 50,3 auf 48,6 gesunken. Für die USA, beim sogenannten „US Manufacturing PMI“, ist der Rückgang noch stärker: Von 51,5 auf 46,2. Schon im Spätsommer vergangenen Jahres war der Rückgang so deutlich, dass wir die Entwicklung als Vorboten einer weiteren Konjunkturabschwächung bezeichnet hatten. Das Szenario „einer Abschwächung, aber nicht einer harten Rezession“ hat also weiter Bestand. Auch die Entwicklung der Fracht (Baltic Dry Index) spricht für eine Abschwächung des Welthandels und mithin der Weltkonjunktur. Einzig die Stabilisierung des Kupferpreises passt nicht so ganz in das Bild, dürfte aber Hoffnung auf eine höhere Nachfrage aus China nach dem Ende der strengen Lockdown-Politik dort und einem Rohstoff-Superzyklus geschuldet sein.

Das Basisszenario für das Wachstum der Weltwirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten also weiter verschlechtert: Inzwischen ist ein Unterschreiten der 2,5-Prozent-Marke nicht mehr viel unwahrscheinlicher als ein Wert darüber.

Die Inflation dürfte nach Einschätzung der von Drescher & Cie befragten Volkswirte auf drei bis vier Prozent zurückgehen. Der Median der Prognosen liegt bei recht optimistischen 3,1 Prozent. Die Inflation in der Eurozone wird dagegen bei über 5 Prozent gesehen. Der Median liegt bei 5,3 Prozent.

Die zurückhaltenden Prognosen für die Aktienmärkte, wonach die großen Indizes Ende des Jahres wenig Veränderung gegenüber dem Jahresbeginn zeigen, stehen im Widerspruch zu einer Verbesserung der sekundären Trends. Im Gegensatz zur Sommerrallye 2022, die in der Bewertung durch das Trendanalysemodell M.A.M.A. nur eine untergeordnete Erholungsbewegung war, sind in den ersten Wochen dieses Jahres mehrere Kaufsignale entstanden, also jeweils ein Anstieg der Wahrscheinlichkeit für das Vorhandensein eines übergeordneten, „sekundären“ Aufwärtstrend auf mehr als 50 Prozent. Relative Stärke zeigen mit der Kurserholung in China globale und regionale Aktienindizes für „Emerging Markets“, aber auch europäische Emerging Markets wie die Türkei und Polen. Relative Schwäche beobachten wir dagegen weiterhin bei den US-Tech-Aktien, was auch die dortigen Indizes und globale Aktienindizes bremst, in denen sie hohes Gewicht haben.

Unsere Timing-Uhr empfiehlt unverändert einen Positionsaufbau – antizyklisch nach Branchen mit Schwerpunkten bei Finanz- und Telekom-Werten, geografisch mit Schwerpunkten Europa und Japan.

Auch die Experten von Fidelity stellen fest, dass „US-Titel aufgrund gestiegener Bewertungen an relativer Attraktivität eingebüßt“ haben. Gegen die Aktienmärkte im Euroraum spräche, dass „hier die Rezessionserwartung am ausgeprägtesten vorhanden ist“. Titel aus Schwellenländern könnten von der Wiederöffnung der chinesischen Wirtschaft sowie einer weiteren Abschwächung des Dollar profitieren.

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