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„Hidden risks“ bei Tech-Aktien

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Schon im vergangenen Jahr erlebte das Anlageuniversum der „smaller non-profitable techs“, also nicht-profitabler (US-) Nebenwerte, einen ausgewachsenen Bärenmarkt, den man mit Blick auf die völlig überzogenen Bewertungen zuvor als überfällige Bewertungskorrektur verstehen darf.

Dies war für Fondsanleger hierzulande allerdings kaum schmerzhaft, denn die meisten der hier eingesetzten Fonds hatten die überbewerteten kleinen Aktien gemieden. Allenfalls die Schwäche der Biotech-Aktien dürfte bei Anlegern in entsprechenden Branchenfonds für Enttäuschung gesorgt haben. Seit November vergangenen Jahres stehen aber auch die Aktien der großen, durchaus profitablen Tech-Giganten unter Druck. Dabei hat der Markt sehr differenziert: Wo die Geschäfte weiter gut liefen, wie beispielsweise bei Alphabet, Amazon, Apple oder Microsoft, hielten sich die Kursverluste in Grenzen. Sie sind dem schwächeren Gesamtmarkt und der Wende in der US-Zinspolitik geschuldet. Aktien von Konzernen, die die hohen Wachstumserwartungen allerdings nicht ganz erfüllen konnten, wie Netflix oder Meta / Facebook, wurden umgehend mit hohen Kursverlusten abgestraft. Nicht wenige Fondsmanager werten die Kursrückgänge als Kaufgelegenheit. Zu einer sorgfältigen Prüfung sollten die Manager aber nicht nur die berichteten Geschäftsergebnisse und deren Projektion im Auge haben, sondern auch die Risiken, die den großen Tech-Konzernen auf verschiedenen Ebenen drohen. Nicht unerheblich ist das juristische Risiko im sensiblen Bereich des Datenschutzes. Den Konzernen fällt es schwer, sich der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) anzupassen. Und es ist keineswegs so, dass es in den USA kein Gesetze zu Schutz personenbezogener Daten gäbe. Es entsteht bisweilen der Eindruck, diese Risiken werden ausgeblendet. Dass nicht immer jeder Fondsmanager jedes seiner Investments hinreichend „auf Herz und Nieren prüft“, auch wenn er das behauptet, bleibt uns am Beispiel von Dirk Müller und Wirecard in Erinnerung.

Ob jeder Fondsmanager die drohenden Belastungen beispielsweise für Meta / Facebook berücksichtigt, muss man im Einzelfall fragen. Texas verklagt Meta, weil der Facebook-Konzern mit automatischer Gesichtserkennung milliardenfach gegen texanisches Recht verstoßen haben soll. Facebook hat seit 2010 hochgeladene Fotos automatisch biometrisch gerastert. Noch schlimmer: Bei der Meta-Tochter Instagram soll die Gesichtserkennung entgegen Behauptungen heimlich auf alle hochgeladenen Bilder angewendet worden sein. Erst im Herbst vergangenen Jahres hat Meta seine Praxis offenbar geändert, nachdem es im US-Bundesstaat Illinois dazu verurteilt worden war, wegen illegaler Gesichtserkennung an jeden Nutzer 350 US-Dollar zu zahlen. Der Vergleich kostete Meta 650 Millionen Dollar. Die jetzige Anklage in Texas dürfte teurer werden. Die Klage heißt „The State of Texas v. Meta Platforms“ und ist unter dem Az. 22-0121 am Bezirksgericht Harris County anhängig. (Die Klageschrift ist öffentlich und liegt der Redaktion als PDF-Datei vor.) Sie stützt sich auf ein Verbraucherschutzgesetz, das bestimmte irreführende Angaben verbietet, und ein Gesetz, das die Erfassung biometrischer Daten ohne Vorab-Information und wirksame Zustimmung Betroffener untersagt. Sogar legal gesammelte Biometriedaten dürfen nicht weitergegeben werden und sind zeitnah zu löschen. "Facebook omnipräsentes Imperium wurde auf Irreführung, Lügen und frecher Misshandlung der Datenschutzrechte der Texaner aufgebaut – alles für den wirtschaftlichen Gewinn Facebooks", heißt es in der Klageschrift des texanischen Justizministeriums. Über ein Jahrzehnt lang habe Facebook alle hochgeladenen Fotos, auf denen die Software Gesichter erkennen konnte, biometrisch ausgewertet, ohne die Nutzer im Voraus zu informieren und ohne wirksame Zustimmung eingeholt zu haben. Betroffen sind also auch viele Menschen, die selbst keine Facebook-Dienste nutzen, denn sobald ein Dritter ein Foto eines Menschen hochgeladen hat, wurde es gerastert. Zudem habe Facebook diese Daten verbotenerweise an Dritte verkauft, ohne das offenzulegen. Ziel der Klage ist ein Unterlassungsurteil gegen Meta, der Auftrag zur Löschung aller texanischen Biometriedaten und der damit trainierten Algorithmen, Abschöpfung aller erlangten Vermögensvorteile, und zivilrechtliche Strafen von 25.000 Dollar pro Verstoß gegen das Biometrie Gesetz, sowie von 10.000 Dollar pro Verstoß gegen das Verbraucherschutzgesetz, zuzüglich Zinsen und Verfahrenskosten. Die Zahl müsste wohl mit über 20 Millionen Nutzern in Texas multipliziert werden und läge dann bei über 700 Millionen Dollar. Der texanische Justizministers Paxon will Meta / Facebook gegebenenfalls bis in den Bankrott klagen. Ist das jedem Fondsmanager, der jetzt in Meta-Aktien investiert, bewusst?

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