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Herdenverhalten: Spurenlese in den Fondsbeständen

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Die jährlichen Bestandsabfragen des Magazins FONDS Professionell unter freien Fondsvertrieben wie Pools und ausgesuchten Fondsplattformen lesen sich immer wieder wie das „Who-is-who“ der Fondsbranche von heute, aber auch das von gestern und zeugen damit gleichermaßen von der Fokussierung, wie auch von der Trägheit der breiten Masse, um das Wort „Herdenverhalten“ erst jetzt zu bemühen.

Schließlich sind unter den TopTen-Fondspositionen der aktuellen Statistik auf den Plätzen eins und drei mit dem Flossbach von Storch Multiple Opportunities und dem ACATIS Value Event zwei ultimative Blockbuster der jüngeren Fondsgeschichte und Gegenwart zu finden, mit dem Templeton Growth Fund dazwischen indes auch ein Fonds, der seit langer Zeit nicht mehr auf den vorderen Plätzen der Absatzstatistiken zu finden ist. Vergleichbare Fälle einstiger Beliebtheit und abgekühlter Nachfrage finden sich im Ranking unter anderem in Form der Präsenz des Fidelity European Growth Fund, des Carmignac Patrimoine und des M&G Global Themes (ehemals Global Basic).

Dabei muss die Trägheit, die man positiv betrachtet auch als Kontinuität, Strategie- und Stilkonsistenz bewerten könnte und neben den Einmalanlagen auch in tausenden von Sparplänen eine Fortsetzung findet, den Kunden nicht immer zum Nachteil gereichen, wie das Beispiel des DWS Akkumula auf Platz zehn belegt, der seinen Anteilinhabern, in den letzten 20 Jahren in der Summe 406% und damit 8,4 p.a. bescherte. Beim M&G Global Themes waren es sogar gut 520%. Performanceerhebungen und -zerlegungen unterschiedlicher Teilzeiträume zeigen indes, das man auch zu anderen Schlussfolgerungen kommen kann, die neben besseren, auch deutlich schlechtere Perioden der Fonds belegen.

Und wer bei der Herde jetzt angesichts des Zuschnitts dieser Studie nur an freie Berater denkt, sollte nicht vergessen, dass die gleichen Produkte oder zumindest vergleichbare Fonds aus den jeweiligen Organisationen oder Konzernverbünden bei vielen Banken- und Instituten im Wholesale-Geschäft ähnliche Jahresringe und Favoritenbildungen im Querschnitt erkennen lassen.

ETFs spielen erwartungsgemäß auf den vorderen Plätzen NOCH keine Rolle, was sich nach Einführung von Service-Fees in der Fläche in den kommenden Jahren ändern dürfte. Das Feld wird von hinten aufgerollt. Bis dahin bleibt das Bild infolge des provisionsorientierten Geschäfts von aktiv gemanagten Publikumsfonds dominiert.

Wollte man Ursachenforschung betreiben, müssten wir unter anderem über verschiedene Facetten der Behavioral Finance und damit die Verhaltensforschung sprechen, aber auch über Prozyklik, Marketingmaßnahmen, Standardisierung im Massenvertrieb und die Regulierung, was wir einmal an anderer Stelle machen.

Bis dahin sei einmal mehr der legendäre Sir John Templeton zitiert, dessen Fonds noch immer wie beschrieben nachhallt: „Wer das macht, was alle machen, kann nie besser sein als der Durchschnitt“.

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