Investitionen und Konsumausgaben werden also gebremst.
Tauben stimmen für eine lockerere Geldpolitik, also niedrige (Leit-) Zinssätze und, wenn das Mittel ausgeschöpft ist, Anleihekäufe, um der Wirtschaft viel billige Liquidität zur Verfügung zu stellen. Der wichtigste Mechanismus: Kredite werden billiger. Investitionen und Konsumausgaben werden stimuliert. Solche „geldpolitischen Impulse“ sind geeignet das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und zu einer steigenden Beschäftigung zu führen, erhöhen aber das Risiko einer steigenden Inflation.
Die große Zeit der Tauben dürfte vorbei sein. Bemerkungen des Fed-Vorsitzenden Powell vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen des US-Repräsentantenhauses und dem Ausschuss für Banken, Wohnungswesen und städtische Angelegenheiten des US-Senats, verstärken den Eindruck, dass die Tauben auf dem Rückzug sind. Der Fed-Vorstand hat den Begriff der „vorübergehenden" Inflation gestrichen. Monatelang war es die offizielle Lesart, der starke Anstieg der US-Inflation sei nur „vorübergehend“. Angesichts der jüngsten Inflationszahlen und der weiteren Erholung des US-Arbeitsmarktes muss die Fed ihre Politik verschärfen. Das Auftreten der Virusvariante Omikron dürfte die Dauer der Lieferkettenunterbrechung und des daraus resultierenden Inflationsdrucks eher verlängern.
Den Fed-Verantwortlichen wird bewusst, dass sie die extrem lockere Geldpolitik der vergangenen Jahre schneller beenden muss, weil sogenannte Zweitrundeneffekte beginnen: Angesichts des stark steigenden Preisniveaus und der zunehmenden Knappheit von Arbeitskräften nehmen die Forderungen nach höheren Löhnen zu – und sind durchsetzbar. Erinnerungen an das Thema Lohn-Preis-Spirale werden wach.
Mehrheitlich gehen die Märkte jetzt noch davon aus, dass die Anleihekäufe der Fed bis Ostern auslaufen und eine erste Leitzinserhöhung über die Sitzung des „Federal Open Market Committee“ (FOMC) am 15. Juni 2022 beschlossen wird. Fed-Fonds-Futures preisen bis Ende 2022 insgesamt 2,5 Anhebungen ein.
