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Finanzmärkte hinterlassen Bremsspuren in den Fonds-Absatzstatistiken

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Wie nicht anders zu erwarten, stand der Giftcocktail aus chinesischen Lock-Downs, zunehmenden Lieferketten-Problemen, dem Ukraine-Krieg, steigenden Inflationsraten und einer scharfen Zinswende, der seinen Ausdruck in Form von erheblichen Verlusten an den Aktien- und Anleihemärkten fand, beachtliche Bremsspuren in den Absatzstatistiken der zuletzt verwöhnten Fondsbranche für das erste Quartal 2022 hinterließ und ihre Bestände etwas abschmelzen ließen. Und das dürfte erst der Anfang sein.

Die Entwicklung könnte sogar an Dynamik gewinnen. Schließlich waren im April weitere massive Verluste, unter anderem bei den großen Technologieaktien zu beobachten, unter denen viele Portfolios litten und werden angesichts weiter steigender Zinsen die Risiken annähernd aller Assets neu bewertet. Man könnte es auch so sagen: Mr. Market, jener hypothetische sprichwörtliche Anleger, der in seinen Anlageentscheidungen von Panik, Euphorie und Apathie getrieben wird, zeigt sich gerade depressiv und lethargisch und sieht das meiste schwarz. Eine Trendwende scheint zunächst in Sicht.

Aus den Marktentwicklungen und Absatzstatistiken lassen sich die folgenden Trends herauslesen.

  1. Institutionelle Anleger und Kapitalsammelstellen müssen ihre Gelder den Marktentwicklungen zum Trotz, weiter zur Anlage bringen. Sie wissen, dass die Inflation ihre Cash-Vermögen im wahrsten Sinne des Wortes anfrisst.
  2. Private Anleger zeigen sich da schon eher von den Märkten beeindruckt, stellen Neuengagements eher zurück, handeln indes noch besonnen. Sie haben ihre Anlagen und Sparpläne bisher mehrheitlich beibehalten, teilweise sogar die Chance zum Nachkauf genutzt.
  3. Wo verkauft wird, trifft es vor allem aktiv gemanagte Aktienfonds. Wo gekauft wird, sind es vor allem passive Indexinvestments.
  4. Wie die hohe Nachfrage nach Mischfonds belegt, wird die Asset Allocation und Titelauswahl, die sich viele Investoren zwischenzeitlich selbst zutrauten, mehrheitlich wieder professionellen Vermögensverwaltern überlassen. Gefragt sind vor allem flexible, dynamische und ausgewogene Strategien, die den Aktienmärkten angemessen Rechnung tragen.
  5. Bei den Renteninvestments sind vor allem US-Staatsanleihen gefragt, was unterstellen lässt, dass dort schon in Kürze wieder attraktivere Renditen und Währungsgewinne aus einem weiter erstarkenden US-Dollar gegenüber dem Euro erwartet werden.
  6. Und schließlich bleibt zu konstatieren, dass sich unter dem regulatorischen Druck ESG-konforme Fonds derzeit größerer Beliebtheit erfreuen als konventionelle Investments.

Mit Spannung darf nun erwartet werden, wie sich diese Trends in den kommenden Quartalen weiter entwickeln. Schließlich haben die meisten Marktteilnehmer in den vergangenen drei Jahrzehnten keine nachhaltige Zinswende erlebt und waren Durstphasen an den Aktienmärkten in der Regel eher kurz. Gerade unter den Neu-Aktionären der letzten Jahre, die nicht selten spezialisierte und thematisch fokussierte Investmentlösungen anstrebten, die jetzt gerade hohe Verluste aufweisen, wird nun die Risikotragfähigkeit und Frustrationstoleranz getestet. Und in Sachen ESG schließlich, wird in der nächsten Zeit viel davon abhängen, wie sich die Fliehkräfte „Regulierung“ und „Umweltbewusstsein“ zur eingeschränkten Diversifikation und dem natürlichen Rendite-Hunger der Anleger bewegen.

 

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