Die unterschiedlichen Leitzinsentscheidungen von Fed und EZB lösten Mitte Juni an den Devisenbörsen eine Erholung des Euros gegenüber dem US-Dollar aus, weil der Zinsvorteil der US-Währung kleiner wurde. Ende Mai hatte ein Euro in der Spitze nur noch 1,063 Dollar gekostet, im Monatsverlauf dann zeitweilig 1,10 Dollar. Damit blieb der Wechselkurs aber in der seit den ersten Wochen dieses Jahres gültigen Bandbreite von 1,05 bis 1,11 Dollar pro Euro.
Positive Impulse gingen dagegen vom Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) aus. Der rasante technische Fortschritt in diesem Bereich sorgte für Kursphantasie. Aktien mit Bezug zum Thema „KI“ waren gefragt. Gute Quartalszahlen und Ausblick des Chip-Designers NVIDIA hatten im Mai die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen und einen Kurssprung ausgelöst. Im Juni kletterte die Aktie zunächst weiter. Der rechnerische Börsenwert des Unternehmens erhöhte sich auf über eine Billion Dollar.
Der Nasdaq-100-Index, in dem die NVIDIA-Aktie enthalten ist, setzte seine starke Erholungsrallye aus den ersten fünf Monaten des Jahres fort und überschritt erstmals seit April 2022 wieder die Marke von 15.000. Bis zum Rekordstand aus dem November 2021 fehlen dem Index noch rund 12 Prozent. Aber auch abseits der KI-Aktien überwogen an der Wallstreet die Kursgewinne. So kam der S&P-500 bis gut 4.400 voran und konnte damit einen Großteil der Kursverluste aus dem Jahr 2022 im ersten Halbjahr 2023 aufholen. Der populäre Dow Jones Industrial Average Index dagegen pendelte weiter um 34.000 Punkte und verzeichnet für das erste Halbjahr nur einen kleinen Zuwachs.
Auch an den europäischen Aktienbörsen mangelte es an stärkerem Aufwärtsmomentum. Das Umfeld aus schwacher Konjunkturentwicklung bei gleichzeitigen Zinserhöhungen spricht nicht für Aktien. Der Euro-STOXX-50 kam nicht über die bisherigen Jahreshochs bei rund 4.400 aus April und Mai hinaus. Allerdings fehlen dem Kursindex auch die Dividendenzahlungen, die überwiegend in diesem Zeitraum erfolgten und zu Dividendenabschlägen bei den Kursen führten. Beim Deutschen Aktienindex DAX werden in den meist betrachteten Performanceindex dagegen die gezahlten Dividenden eingerechnet. Deshalb erreichte der DAX ein neues Rekordhoch bei 16.427, bevor auch dieser Index in der zweiten Monatshälfte etwas zurückkam.
Der japanische Aktienmarkt konnte in der ersten Junihälfte an den Kursaufschwung im Mai anknüpfen. Mit rund 33.760 Punkten erreichte der Nikkei-225-Index den höchsten Stand seit 1990. Hintergrund dieses Kursaufschwungs ist die günstige Bewertung und die verbesserten Aussichten für die japanische Wirtschaft, die zu einem wachsenden Interesse von Investoren führen.
Die großen Anleihemärkte zeigten sich im Juni wenig verändert. Die Rendite der wegweisenden US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit pendelte um die Marke von 3,75 Prozent. Auch die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen bewegte sich im Monatsverlauf in einer vergleichsweise engen Spannbreite von 2,2 bis 2,5 Prozent.
Fallende Notierungen verzeichneten Edelmetalle. Nach einer Preisspitze Anfang Mai, bei dem der Goldpreis sein Rekordhoch bei 2.081 US-Dollar pro Unze einstellte, geriet der Goldpreis in einen leichten Abwärtstrend, der im Juni bis rund 1.900 Dollar führte. Offenbar ging vom Hoch Anfang Mai eher das Signal für Gewinnmitnahmen als für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends aus. Prozentual stärker fiel der Preisrückgang bei den anderen Edelmetallen.
Hohe Kursschwankungen gab es im Juni bei Kryptowährungen. Zunächst belasteten die Klageerhebung der US-Börsenaufsicht SEC gegen die Kryptobörsen Binance und Coinbase, weil die SEC Kryptowährungen als Wertpapiere einstuft. Als aber wenig später große Akteure aus der traditionellen Finanzbranche ihre Expansion in Richtung Digitalwährungen bekanntgaben, führte das in der zweiten Junihälfte zu einer Kurserholung. Der Bitcoin-Wechselkurs stieg über 30.000 Dollar und damit den höchsten Wert seit über einem Jahr.
